Auf dem Li-Fluss bei Guilin

Guilin, wo ich vor drei Tagen war, ist berühmt für eine Bootsfahrt auf dem River Li. Der River Li führt mitten durch eine bizarr anmutende und wunderschöne Karstlandschaft, die mich ein bisschen an Alice im Wunderland erinnert hat. Glücklicherweise bot mein Hostel eine Tour an, bei der der Pick-up inklusive war und so machte ich mich auf den Weg in einem Minibus mit fünf anderen Reisegefährten, einer aus Deutschland, jemand aus der Schweiz und jemandem aus Portugal. Nach dem Einsammeln aller Leute ging es dann weiter im grossen Bus mit unserer Tourleiterin Sophie. Ganz engagiert pries sie die Vorzüge der Tour jeweils in chinesisch und englisch an und die Zusatzfeatures, die man am Nachmittag noch dazu buchen konnte.

Am Bootssteg angekommen, wo diverse Schiffe ablegten, ging es dann auch bald los mit einer vierstündigen Fahrt über den Li-Fluss. Wirklich eine interessante und wunderschöne Kulisse. Auf dem Oberdeck lernte ich den älteren Herrn aus der Schweiz näher kennen, der gerade von einem Retreat aus einem Kloster in Tibet kam und die Gelassenheit pur ausstrahlte. Interessant, was er zu berichten wusste, zum Beispiel von den harten Repressionen, denen die tibetischen Moenche ausgesetzt sind. Das Kloster wird rundherum streng bewacht.

Wir freuten uns beide, dass wir für den heutigen Tag ein Programm hatten, wo man nicht selbst alles suchen und organisieren muss, sondern einfach jemandem folgt, der bescheid weiß. Im manchmal unübersichtlichen China wirklich zwischendurch sehr erholsam!

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So ließen wir uns umgeben von einigen kleineren Booten durch die Gegend spazieren fahren, genossen das Mittagessen an Bord und freuten uns, dass es nicht wie angekündigt, regnete. Im kleinen Dorf Yanshuo angekommen, galt es, sich erst einmal durch die touristischen Angebote auf der Hauptstraße durchzulavieren. Das ging aber ganz gut und so schaute man sich hier und dort um.

Am Nachmittag hatten die Verkaufstalente von Sophie gefruchtet, so dass ich mit dem Herrn aus der Schweiz die Countrysidetour unternahm. Dort besuchten wir das “Dragonvillage” mit der dazugehörigen “Dragonbridge”. Manche von Euch mögen ihre Kulisse drum herum schon einmal gesehen haben, denn sie gehört zu einer Auswahl von Bildschirmschonern bei Windows. Dort hat man die kleine Brücke aber anscheinend wegretouchiert, um das Gesamtbild nicht zu stören. Wenn diese kleine Geschichte für Touristen denn wahr ist 🙂

Weiter ging es mit einer hübschen Fahrt auf einem Bambusboot für je zwei Personen. Schnell den Schweizer Herrn befragt, ja – er würde mit mir fahren. Mit ihm konnte man sich einfach ausgesprochen nett unterhalten und so bestiegen wir das robuste Floss, was je von einem Einheimischen mit Staken vorangetrieben wurde. Die erste Attraktion war dabei der Kormoranfischer, von denen es angeblich nur noch fünf in Guilin und Umgebung gibt. Das Prinzip ist ziemlich schlau, aber dennoch weiß man nicht, ob man nicht lieber etwas Mitleid haben sollte, denn der Kormoran bekommt am unteren Ende seines Halses eine Schlinge angelegt, so dass er die gefangenen Fische nicht verschlingen kann. Er wird in fünf Jahren Training darauf abgerichtet, die Beute dann dem Fischer wieder zu überlassen. Auf den ersten beiden Bildern seht ihr den Fisch noch im Hals des Kormorans. Diese kleine Show sahen wir uns unter dem sichtbaren Stolz des Fischers also von unseren Booten aus an.

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Weiter ging es dann ein Stück den Fluss entlang, wahrscheinlich ein Nebenarm des Rivers Li bis zu einer Wiese mit mehreren Wasserbüffeln und einer engagierten Sophie, die uns Gras zum Füttern anbot, sich als Fotografin anbot und Leute motivierte, doch einmal einen kleinen Ritt auf dem Wasserbüffel zu probieren. Ich fand es schon ausreichend amüsant, anderen dabei zuzusehen und habe verzichtet…

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Der Tag wurde schön abgerundet mit einer weiteren Fahrt in die andere Richtung des Flusses. Die Chinesen, die ja geschäftstüchtige Leute sind, wittern aber selbstverständlich bei jeder neuen Attraktion weitere Yuan und so konnte man sich während der Floßfahrt fotografieren lassen oder an mehreren Hütten anhalten, um einzukaufen. Wer darüber aber großzügig hinwegsieht und wen grüne Sonnenschirme und orange Rettungswesten auf den Booten nicht stören – der hatte – wie ich – einen fantastischen Tag!

 

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