Orang-Utans im Urwald von Bukit Lawang

Der Regenwald begrüßte uns mit einem längeren Regenschauer, der seinem Namen alle Ehre machte 🙂 So brachen wir mit Su-Silo nach etwas Wartezeit doch gegen halb neun auf und gerieten recht schnell an einen steilen Anstieg auf schmalen Pfad.

Su-Silo, unser Trekking-Guide

Bereits nach einigen Metern konnten wir unsere erste Dschungel-Lektion von unserem Guide lernen – die des Sehens und Beobachtens. Der Punky-Monkey schwang sich über uns durch die Äste. Er gehört zu den kleineren Affen, ähnlich wie ein Gibbon und besitzt eine punkerähnliche Frisur. “So, we call him Punky-Monkey”, sagte Su-Silo. Das leuchtet ein.

Wasserfall mittags an unserem Rastplatz
Wasserfall mittags an unserem Rastplatz

So freuten wir uns, schon direkt am Anfang ein Gefühl für das Sehen zu bekommen, man muss nämlich ziemlich schnell sein… Das Wahrnehmen im Dschungel erfordert überhaupt die Schärfung aller Sinne, nicht so leicht fand ich die Kunst, normale Bewegungen der Blätter von denen der Tiere hinter den Blättern zu unterscheiden und im richtigen Augenblick zu registrieren. Waren wir noch mit dem recht steilen Weg beschäftigt, der alle motorische Koordination und Balance erforderte, hatte man das Gefühl, dass der Guide seine Aufmerksamkeit vollkommen anders einsetzt. Er tänzelte förmlich lautlos mit leichten Schuhen durch die Wildnis und hatte den Blick fast immer nach oben in die Baumwipfel gerichtet. Er ließ sich von Bewegungen, Gerüchen und Geräuschen gleichermassen leiten und hatte seine Augen scheinbar überall. Auch das Rufen und Schnalzen nach Tieren an der richtigen Stelle gehörte dazu.

Hier seht ihr einen Baum, an dem ein kleiner Bär wohl gelegentlich zum oben gelegenen Bienennest klettert, um sich den Honig zu holen. Su-Silo hatte ihn dabei beobachtet. Die Abdrücke der Tatzen sind gut zu erkennen:

Bärentatzen

Wirklich beeindruckt hat mich Su-Silo, als er uns plötzlich mit einer Geste zur Ruhe brachte und sagte, er müsse etwas prüfen – wir sollten warten. Einige Sekunden später sollten wir langsam um die Biegung folgen und vor uns sassen in einem ebenerdigen Bambusdickicht in ca. 5 Meter Entfernung eine ausgewachsene Orang-Uran-Mama mit ihrem bezaubernden Baby. Schauten uns an und warteten ab. Wir sollten noch näher herankommen, was ich schon ganz schön aufregend fand.

Orang-Utan mit Baby
Unser Orang-Utan mit Baby

Neben dem Dickicht stand eine Art langezogener Beobachtungsposten in Form einer Hütte, mit einigen Stufen zu erklimmen. In die sollten wir gehen, als die Orang-Utan-Dame anfing sich auf uns zu zubewegen. Also wir in die Hütte, noch ganz hingerissen von unserem Glück, gleichzeitig im Kampf mit Fotoapparat und Regencape. Die beiden folgten uns und das recht zügig. Orang-Utans machen schon elegante und langsame Bewegungen, sind aber auch unmissverständlich deutlich, wenn sie sich in Bewegung gesetzt haben! Vor allem die Riesen-Pranken möchte man nicht gerne persönlich schütteln. So gingen wir rückwärts durch die Hütte, unser Guide wies uns an: “Don’t be afraid, but move, move, they smelled our food, come over there.” Also zügig zum anderen Ausgang, Treppen herunter, die Affen dicht hinter uns. Schnell noch knipsen, mein Herz für Paparazzi habe ich schlagartig entdeckt im Dschungel.

Und da waren sie uns auch schon dicht auf den Fersen!

Dann kehrte etwas Ruhe ein, die Orang-Utans verweilten an der Tür und wir hatten Zeit, die Tiere anzuschauen. Sie haben mein Herz direkt erobert und sind wirklich imposant.

Lovely

Nach einer kleinen Weile zottelten Mutter und Tochter dann an uns vorbei und verschwanden kletternd und schwingend in den Bäumen. Da war unser erster Kontakt mit wilden Tieren auch schon wieder vorbei… Nachher habe ich Su-Silo befragt, woher er wusste, dass die Affen dort seien. Er hatte ihr neues Nest entdeckt und die Bewegungen in den Bäumen entdeckt, lange bevor wir etwas ahnten.

Unsere zweite Begegnung mit den Orangs auf unserer Tour durch den Dschungel ließ nicht lange auf sich warten. Diesmal in ganz anderem Gelände mit vielen hohen Bäumen um uns herum, eher weitläufig, aber doch dicht bewuchert. Nachdem unser Guide uns signalisiert hatte, dass wieder Orangs in der Nähe seien, konnten wir diesmal etwas über Geduld und Intuition lernen.

Orang-Mama

Die Orang-Mama mit einem wesentlich jüngeren Baby als zuvor saßen gemütlich in den Zweigen hoch über uns. Für mich noch so weit weg, dass ich sie mehr erahnte, als sicher zuordnete. Im Dschungel bewegt sich halt doch eine ganze Menge. Durch beharrliches Rufen und Schnalzen angelockt, näherten sich Mutter und Kind ein wenig, irgendwie aber auch nicht so richtig. Su-Silo wartete weiter geduldig und war sich sicher, dass sie noch kommen wurden. Was soll man sagen, auch im Dschungel fängt man mit Speck die Mäuse und irgendwann war es Zeit für drei kleine Bananen aus Su-Silos Rucksack. Schwupps, über einen Ast in mittlerer Höhe vor unserer Nase aufgehängt.

Es dauerte ungefähr 10 Minuten, bis die Mutter sich das Futter schließlich holte und gemeinsam mit ihrem Jungen verzehrte. In dieser Zeit schwangen die Orangs sich immer wieder von Baum zu Baum, warteten, kletterten ein Stück, warteten… Bewundernswert fand ich die Intuition, die Su-Silo einsetzte, um uns den besten Blick zu ermöglichen. Er wusste immer genau, wo und wie man sich hinstellen muss, um die Affen ohne störende Äste und Zweige zu sehen. Wir konnten sie also herrlich beobachten und wurden selbst zu kleinen Waldläufern, die mal hier, mal dort auf der Lichtung schauten und das Spiel beobachteten. So wurde unser Warten belohnt:

Orang im Anmarsch

 

Her mit den leckeren Sachen!

Nach unserer Mittagspause am Wasserfall – logischerweise in einer Schlucht – mussten wir aus der auch wieder heraus, um über den letzten Berg zum Bohorok River und unserem Rafting zu gelangen.

Wasserfall in einer Schlucht

So ging es auf schmalen Pfaden nach oben. In kürzester Zeit überwanden wir große Höhen – immer dicht hinter unserem Guide, der nun öfter eine Verschnaufpause für uns einlegte. Auf dem Steilpfad fanden sich oft so eine Art Trittstufen die natürlicherweise aus Wurzeln entstanden waren oder von Rangern angelegt wurden, vermute ich. Su-Silo gehörte zu den Guides, die am Anfang jeder Saison neue Wege suchten – einfach weil er es sonst langweilig fände. Uns wurde keinesfalls langweilig, da jeder Schritt Konzentration, Kletterfreudigkeit und Mut erforderte. So war ich für jede Liane und jeden noch so kleinen Baum dankbar, an dem man sich festhalten, hochziehen und abfedern konnte. Viele Stufen waren recht groß im Abstand, so dass man langsam aber stetig seine Kraft verbrauchte. Su-Silo reichte mir immer öfter die Hand zum Abstützen und strahlte absolute Ruhe und Gelassenheit aus. “Take your time, it’s okay” und zu meinem Vater gewandt, der den Schluss bildete und sich selbst helfen musste: “Alles okaaay, Papaaa?” Wirklich sehr charmant und freundlich!

Dennoch machte er uns unablässig auf die Tiere und Pflanzen des Urwalds aufmerksam. Da gab es den Schrei vom Pfau, das Termitennest, unzählige Baumarten, Kakaofrüchte (Hier wächst die Schokolade auf den Bäumen), das Rufen der weissen Gibbons, Riesenameisen, Schmetterlinge und den Ruf des Tukans. Und noch viel mehr – leider konnte ich die Namen nicht alle behalten. Auf den letzten 1000 Metern Abstieg bin ich dann doch ausgerutscht und den Hang ordentlich herunter gebrettert. Einige Blessuren und der fieseste Muskelkater bereiten mir jetzt noch Freude 🙂 Was solls – leicht geschunden, aber glücklich…

Mammutbaumstamm

Genau so kamen wir dann unten am Fluss an und sollten auf den zweiten Mann fürs Rafting warten. Nachdem wir erst einmal unsere Füße kühlten und unablässig flussaufwärts starrten, weil wir ein Boot erwarteten, näherten sich die Einzelteile schon längst auf dem Rűcken dieses jungen Herrn.

Vorbereitungen des Rafts

Mit geübter Hand entstand aus den vier Reifen im Nullkommanix ein fest vertäutes Boot. Wir nahmen Platz, unser Gepäck gut verstaut und gesichert und freuten uns ob der Erfrischung, die uns angekündigt wurde. Haha! Was glaubt ihr wohl? Die Erfrischung ließ nicht lange auf sich warten, denn die Strömung vom Bohorok hatte ganz schön was zu bieten und das Wasser kam erstmal von unten und dann von allen Seiten! So hüpften wir mit unserem Boot auf und ab und hatten einige Mühe, uns festzuhalten. Ich weiß noch, dass ich unglaublich viel gelacht habe, einfach weil wir eh schon so kaputt waren und jetzt dieses Gehopse noch und dann waren auch noch Zuschauer am Ufer! Su-Silo fing plötzlich an, ein Dschungellied anzustimmen und erheiterte uns damit zusätzlich. Es muss ein Bild für die Götter gewesen sein. Nach einiger Zeit wurde der Fluss ein bisschen ruhiger und wir hatten Zeit, uns den Urwald, den wir heute erobert hatten, noch einmal von der Flussseite zu betrachten.

Insgesamt war unsere Tour etwa 7 km lang, aber voller Abenteuer, Herausforderungen und Wildnis pur.

Ein unvergesslicher Tag!

 

3 Kommentare

  1. Mary Wessel sagt: Antworten

    Hallo Eli, da rutscht einem ja schon beim Lesen vor Aufregung das Herz in die Hose. Ein wunderbarer Bericht über die Begegnung mit den Orang-Utans, ich wünsche euch noch viele spannende Erlebnisse, bin aber trotzdem froh, dass ihr einen sehr erfahrenen Guide dabei habt. Alles Liebe Mary

  2. Ingi Kemper sagt: Antworten

    Hallo Eli,
    das ist ja wirklich Abenteuer pur, wass Ihr da heute erlebt habt. Das Lesen der Tagesberichte macht viel Spaß……ich werde weiterhin täglich bei Euch “vorbeischauen”. Die Orang-Utan-Bildern sind schon sehr beeindruckend!! Gute Besserung für Deine Blessuren.
    Liebe Grüße
    Ingi

  3. […] Bukit Lawang mit Besuch im Regenwald, einer wilden Flussfahrt und wilden Tieren […]

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