Tiger Leaping Gorge!

Heute wartete eine Wanderung durch die Tigersprungschlucht in der Naehe von Lijiang auf mich. Sie ist eine der tiefsten und laengsten der Welt mit 4 km Hoehe und 16km Laenge. Gluecklicherweise kooperiert mein Hostel mitten in der Altstadt mit Tina’s Guesthouse, welches mitten in der Schlucht liegt, so dass die An- und Abfahrt von hier aus organisiert wurde.

Die Tigersprungschlucht liegt etwa 3 Stunden Autofahrt weit weg, mit einem Kleinbus war der Busfahrer sehr wendig, was auch sehr hilfreich war! Ich bin ueberhaupt sehr dankbar fuer diesen besonnenen Mann, denn in der Schlucht haben wir manche enge Biegung genommen und gerade so Abstand zu steilen Abhaengen direkt neben der Strasse halten koennen. Mir wurde schon etwas flau!

SONY DSC

Die Schlucht traegt ihren Namen, da ein grosser Stein mitten im reissenden Fluss die Stelle markiert, ueber die angeblich einmal ein Tiger mit zwei grossen Saetzen gesprungen istund sich so vor seinem Feind gerettet hat. Es gibt aber mittlerweile drei solcher Tiger Leaping Gorges in der Schlucht, den upper, middel und lower gorge/path. Ich hatte das bis jetzt immer falsch gedeutet und gedacht, das sich das auf die Hoehe beziehen wuerde. Tut es aber nicht, sondern es sind einfach drei verschiedene Stellen innerhalb der langgezogenen Schlucht. Oben auf dem Bild seht ihr den Upper Path, an dem wir vorbei kamen. Entweder den Upper oder Lower Path haben meine Eltern auch vor einigen Wochen gemeinsam bezwungen.

Unsere Fahrt fuehrte mich zum Middle Path, der ungefaehr auf halber Hoehe zwischen steilen Felsen und rauhem Gebirge auf 2100 Metern liegt. Von dort sollte man in einer Stunde zum Tigersprung hinabsteigen und in einer Stunde wieder herauf. Das kam mir von Anfang an etwas wenig vor, am Ende habe ich 2 Stunden hin und 3 Stunden zurueck gebraucht. Da man am Anfang des Weges aber bekanntlich nicht absehen kann, was auf einen zukommt, bin ich froehlich losgestapft. Nach den ersten Steintreppen war ich heilfroh, dass ich meine Wanderschuhe nicht aus meinem Reisegepaeck verbannt hatte, sie haben mir wichtige Dienste geleistet.

SONY DSC

Kurze Zeit, nachdem ich von Tina’ s Guesthouse losgelaufen war, konnte ich die Schlucht mit ihren Wassermassen richtig sehen. Dort, wo das Wasser war – war mein Ziel, nur etwas weiter links, hinter einem riesigen Felsen verborgen. SONY DSC

Mir wurde schnell klar, dass der Weg recht anspruchsvoll war. Grobe Steintritte und schmale Kletterwege und das ganze mit einem irren Hoehenabfall nach unten, klar – irgendwie musste es ja auch nach unten gehen. Auf dem Weg begegnete mir die ein oder andere Gruppe. Man gruesste sich meistens freundlich und freute sich als Gefahrten auf aehnlichem Wege ueber eine kurze Weggemeinschaft. Nachdem ich den groessten Felsen umrundet hatte, der die Sicht auf den mittleren Tigersprung noch verbarg, wurde mir mein Vorhaben nun endgueltig bewusst! Oh mein Gott – wie sollst du dort bloss wieder  hoch kommen, geschweige denn – ich wuerde es nach unten schaffen. Aber gut – so schnell gebe ich natuerlich nicht auf und so kletterte und lief ich mutig weiter. Unterwegs gelangte man jetzt an den ersten provisorischen Huetten der Einheimischen vorbei, die sich immer freuten, jemanden zu sehen, Getraenke oder andere Erfrischungen zu verkaufen. Dieser freundlichen Dame habe ich fuer 20 Yuan (=2,41Euro) ein kleines Tuetchen Safran abgekauft. Aber auch andere Tuetchen wurden angeboten 🙂

SONY DSC

SONY DSC

SONY DSC

Als ich bei der Dame angekommen war, konnte ich den Stein immerhin schon sehen. Es fehlten aber noch einige hundert Meter,denn der Stein liegt ca. auf 1600 Meter. Also weiter – Biegung um Biegung. Mit zunehmender Sorge blickte ich dem Aufstieg entgegen, denn die Steinstufen waren teilweise 40 cm hoch und das schien mir fuer den Aufstieg noch doppelt so anstrengend! Aber ich wollte unbedingt mein Ziel erreichen und hatte ja auch eigentlich noch genug Zeit. Es war halb zwoelf  – bis hierhier hatte ich eine gute Stunde gebraucht und um halb vier sollte der Bus vom Guesthouse wieder zurueck nach Lijiang fahren.

Um eine der naechsten Biegungen herumgeklettert, stand ich ploetzlich vor einer eisernen Leiter, die recht steil nach unten ging. Unten standen Gott sei Dank einige Leute, die mir durch ihr Zurufen Mut machten. Los ging es, natuerlich rueckwaerts und nicht wie der vorherige Kletterer – vorwaerts! Nur nicht nach unten schauen und immer schoen festhalten! Wird schon klappen! Mach schoen langsam! Lauter so Weisheiten sagt man sich dann selbst und ist dennoch froh, wenn man unten angelangt ist. Also wieder ein kleines Paeuschen bei einer Huette unterwegs.

SONY DSC

Unterhalb der Leiter ging es weiter mit zwei Wegen, ich entschied mich fuer den sicheren Weg 🙂 und gegen eine Leiter, die fuenfmal so lang wie die bereits bezwungene war. So langsam waren meine Beine ziemlich schlapp und meine Knie auch schon recht belastet. Gluecklicherweise war es nicht ganz so heiss mit 26 Grad, aber die Sonne war voll da und tat ja auch das Ihrige zu einer wunderschoenen, aufregenden und abenteuerlichen Kulisse.

Nach vielen weiteren Steigungen war ich dann auf der Hoehe des Flusses angekommen! Nun wollte ich aber natuerlich auch noch auf den Stein und konnte mal wieder die Findigkeit chinesischer Einheimischer erleben. Zwei Wackelbruecken fuehrten zu dem eigentlichen Stein. Vor der ersten Bruecke habe ich meinen Zoll bezahlt – nicht ahnend, dass er nur fuer die Bruecken und nicht fuer den Stein gilt! Also noch einmal ein Scheinchen gezueckt 🙂 Es sind alles keine grossen Betraege, aber es ist irgendwie so typisch fuer die Leute hier und man muss darueber schmunzeln.

Das Gluecksgefuehl, es geschafft zu haben, war ziemlich gross, kann ich euch sagen! Diesen Moment werde ich in meinem Leben nicht vergessen. Diese tosenden Wassermassen um einen herum als Belohnung fuer jede Kurve, jeden Stein und jedes unsichere Gefuehl! Ich bin wirklich froh, dass ich durchgehalten habe. Ich danke auch herzlich meinen Mitwanderern, die nicht selten erstaunt waren, dass ich allein unterwegs war und oft ein freundliches Wort oder eine aufmunternde Geste fuer mich uebrig hatten. Neben ihrem eigenen Gejapse um Luft…

 

Der Rueckweg barg noch manche Herausforderung. Erst einmal die Zeit. Gegen viertel vor eins war ich nach kurzer Pause wieder aufgebrochen Richtung Aufstieg. Und meine Energie war irgendwie am Ende, jeder Stein war dreimal so anstrengend wie auf dem Hinweg. Nun bin ich leider auch nicht bei so guter Kondition. Aber ich wusste auch, dass ich es irgendwie schaffen werde. Zwischendurch verlaesst einen dann doch mal der Mut. Zu einer waghalsigen Aktion habe ich mich dann auch noch hinreissen lassen. Mit etwas Abstand kommt es mir selbst wahnwitzig vor! Ihr erinnert euch an den sicheren Pfad? Da gab es noch einen anderen Path:

SONY DSC

SONY DSC

Das war die Stelle, um die ich auf dem Abstieg sofort einen Bogen gemacht hatte, weil solche Leitern von oben natuerlich auch immer viel furchterregender aussehen, als von unten. Ausserdem fand ich die Aussicht so verlockend, einige steile Bergwege zu umgehen und meine Knie mal etwas zu entlasten. Nach einigem Hin- und Her und Abwaegen und an der Leiter ruckeln, hatte ich mich dazu entschlossen, es zu probieren. Dass ich genug Kraft in den Armen hatte, da war ich mir sicher. So weit, wie ich kam und sonst wollte ich umkehren. Dass mich einige meiner Leser jetzt fuer bescheuert erklaeren, ist mir klar, aber in dem Moment habe ich mich eben so entschieden.

Es ging erstaunlich gut! Ich kam gut voran und vermied es natuerlich, nach unten zu schauen. Immer fuenf Sprossen und dann kurz ausruhen. Ich war fast oben bis auf 10 Stufen etwa – da war eine Sprosse mit etwas groesserem Abstand dazwischen! So sehr ich mich auch muehte, ich schaffte es auf der schmalen Leiter mit meinem Rucksack und meiner Technik des Festhaltens einfach nicht, sie zu ueberwinden.

Also gut – Sicherheit geht vor und ich wollte ja nicht die naechste Cliffhaengerin werden, in Ruhe wieder runter von der Leiter. Puh, das war ein demuetigendes Gefuehl. Nur wegen so einer bloeden Sprosse. Und jetzt hatte ich Kraft investiert, die mir fuer den herkoemmlichen Aufstieg fehlte! Tja – wenigstens hatte ich es probiert. Jetzt am Abend kann ich aber selbst auch nicht glauben, dass ich das wirklich gemacht habe!

SONY DSC

Der Aufstieg war noch muehsam und anstrengend und mit vielen Pausen versehen. Die angebotenen Pferde habe ich aber selbstverstaendlich aus Stolz abgelehnt! Am Ende habe ich es puenktlich um 15.30 Uhr zum Bus geschafft und hatte sogar noch etwas Zeit fuer eine Erfrischung! Ein Tag, den ich so schnell nicht vergessen werde, das kann ich euch versprechen!

Macht’s gut,

beste Gruesse von Elisabeth

2 Kommentare

  1. Kiki sagt: Antworten

    Auweia!!!! Spannend!!!

  2. Ich hab die Wanderung vor 13 Jahren gemacht.Es ist super, diese Tour bei noch einmal mitzuerleben und zu sehen, wie sich auch an so abgelegenen Orten alles änderte. Bei meiner Wanderung gab es noch kaum richtige Gästehäuser. Ich übernachtete irgendwo in der Mitte, ohne Strom. Und Cannabis gabs zu meiner Zeit natürlich auch noch nicht.

Schreibe einen Kommentar